Über Verena Gross

Gartenexpertin mit Vorliebe für Stauden und hochwertiges Design, Journalistin mit Service-Anspruch und einem Master of Science in Biologie, langjährige Tageszeitungsredakteurin mit wöchentlicher Kolumne "Verenas Grüner Daumen" bei der Neuen Presse Hannover. Inzwischen als freie Journalistin am Rhein beheimatet.

Auf den Nieswurz sind nicht nur Hummeln wild

Na schau mal einer an, was die Natur so kann: Der Palmblättrige Nieswurz (botanisch: Helleborus foetidus, auch weniger passend Stinkender Nieswurz genannt) sieht aus, als hätten sich unzählige Züchter daran vergnügt. Hellgrüne Blütenbüschel öffnen sich in Kniehöhe über dunkelgrün glänzenden Blättern und locken bereits Anfang März dicke Hummeln an. Wer mit der ersten wärmenden Frühlingssonne in den Wald geht und den Anblick nicht kennt, bleibt erst einmal staunend stehen. Denn während der Rest der Vegetation größtenteils noch Winterruhe macht, öffnet diese langlebige Staude umso imposanter ihre hängenden Glocken in leuchtendem Grün. „Die hätte ich gerne im Garten!“, rief eine Städterin erfreut über den Anblick.

Tatsächlich wächst die Pflanze auch gerne im heimischen Garten auf mageren Bögen im lichten Halbschatten. Gut sortierte Staudengärtnereien und Gartencenter verkaufen den Nieswurz als Gartenstaude, die kombiniert mit Winterlingen (Eranthis), Schneeglöckchen (Galanthus) in Spätwinter und Vorfrühling die Rabatten verschönert und auch gut für die Natur ist: Denn Hummeln und Wildbienen finden in ihren Glockenblüten eine erste wertvolle Nahrungsquelle.

Pflanzen einfach aus dem Wald mitzunehmen, wird vermutlich nicht mit Erfolg gekrönt sein. Ganz abgesehen davon, dass damit in die Natur eingegriffen wird, reagiert diese Pflanze wie viele ihrer Verwandten empfindlich aufs Verpflanzen. Sie wollen ihre Ruhe. Besser ist es da, Ameise zu spielen: Die Staude sorgt mit einer leckeren Beigabe am Samen dafür, dass Waldinsekten sie mitnehmen und so verbreiten. Die reifen Samen in den drei bis fünf Früchten pro Blüte können an einem geeigneten Standort in den Boden gebracht werden. Und dann sollte in dem Bereich besser nicht gebuddelt oder gehakt werden. Oder aber man überlässt Gärtnern das aussähen und pflanzt die einjährigen Stauden.

Die Erfahrung lehrt, dass es selten bei einer Helleborus-Pflanze bleibt. Zum einen sehen sie in Gruppen viel schöner aus. Zum anderen machen die Blüten dieser Gattung süchtig. Die bekannteste ist die weiße Christrose (H. niger), die bereits im Dezember ihre Knospen öffnet, und von der es inzwischen die erste rote Variante gibt. Hinzu kommen vielen Variationen der später blühenden Schnee- und Lenzrosen. Züchtern sorgen dafür, dass kommen immer wieder neue Farben und Formen dazukommen. Es gibt sie in Violett, Rosa, Grün, Hellgelb, mit Sprenkeln und Tupfern. Das ist purer Luxus, da ja bereits die von der Natur hervorgebrachten Exemplare echte Hingucker sind.

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Die kleinen Wilden machen sich breit

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Auf dem Rhein-Burgen-Weg: Ein größeres Vorkommen an Schneeglöckchen verzückt Wanderer.

Neulich bei einer Wanderung auf dem Rhein-Burgen-Weg zwischen Rheineck und Brohl geriet eine Gruppe Wanderer in Verzückung: Eine große Ansammlung blühender Schneeglöckchen verführte erwachsene Menschen, sich auf dem Bauch ins nasse Gras zu legen, um einen möglichst schönes Foto von den Zwergblüten zu bekommen. Schneeglöckchen (Galanthus) gehören wie auch Krokusse (Crocus), Blausterne (Scilla), Winterlinge (Eranthis) und Osterglocken (Narcissus) zu den Frühjahrsblühern, die sich am richtigen Standort über die Jahre ohne Pflege immer weiter ausbreiten.

36 Arten gelten laut einer Untersuchung des Instituts für Ökologie der TU Berlin in Mitteleuropa als Stinzenpflanzen. Drei Viertel von ihnen sind Frühblüher mit Zwiebeln oder Knollen, die die Zeit vor dem Laubaustrieb der Bäume nutzen. „Stinzenplanten“ (deutsch: Stinsenpflanzen) heißen die kleinen Wilden auf Niederländisch. Der Name verweist auf das friesische Wort Stins („Haus aus Stein“) und nimmt damit Bezug auf ihr Vorkommen an alten Gebäuden.

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Neulich in Flandern: Der belgische Gartendesigner Chris Ghyselen hat in seinem Garten in Oostveld vorgemacht, wie sich Frühjahrsblüher einsetzen lassen.

Denn neu sind verwildernde Blumenzwiebeln nicht, ganz im Gegenteil. Schon im 16. Jahrhundert wurden sie von Botanikern und Abenteurern wie Charles de l’Écluse nach Nordwest-Europa gebracht und in Gärten und Parks von Landsitzen, rund um Schlösser, Kirchen und Klöster gepflanzt. Die Massenblüte von Krokussen (Crocus napolitanus) im Park des Husumer Schlosses, von Nickendem Milchstern (Ornithogalum nutans) im Park des Schlosses Paretz, das Blaue Wunder durch Blausterne (Scilla siberica) auf dem Bergfriedhof in Hannover-Linden oder die Schneeglöckchenteppiche in alten Parks zeugen noch heute davon.

Doch auch im eigenen Garten machen sich die kleinen Wilden insbesondere als Frühlingsboten gut. Sie bringen Blüten in die Beete, bevor die Gehölze, Stauden und Gräser austreiben. Eine besonders große Auswahl an verwildernden Pflanzen hat übrigens eine kleine Familiengärtnerei im niederländischen Laag Keppel mit dem Namen „De Warrande“. Der Garten ist im Frühling einen Ausflug wert, die Besichtigungstermine im April sind am 16./17., 22./23., sowie 29./30. Im Mais ist am 7.5. und 14.5. geöffnet. Wer lieber Frühjahrsblüher in Profiqualität lieber bestellen möchte, es gibt auch einen Onlineshop.

Dicke Lippe riskieren: Schmetterlingsorchidee nach Schönheits-OP

bremkensneuHuch, was ist denn da passiert? Statt eines schmalen Lächelns sind die Lippen einer Neuzüchtung der Schmetterlingsorchidee (Phalaenopsis) dick wie nach einer Botoxbehandlung. Nervengift ist hier aber mitnichten im Spiel: Orchideenzüchter in Taiwan und vom Niederrhein haben vielmehr 30 Jahre lang daran gearbeitet, der Blüte ein Facelifting zu verpassen. Der ansonsten merkwürdig geformte untere Teil der Blüte wurde bei den „big lip“-Sorten annähernd auf die Größe und Farbe der übrigen Blütenblätter gezüchtet. Diese neue Variante gibt es fortan im guten Fachhandel zu einem hoffentlich angemessenen Preis. Immer arbeiten Gärtner von der Zellteilung im Labor bei Bremens Orchids am Niederrhein über die Jungpflanze bis zur blühenden Pflanze im Handel bis zu dreieinhalb Jahre an jedem Exemplar.

Derzeit sind die Züchter damit beschäftigt, Schmetterlingsorchideen den verloren gegangenen Duft wiederzugeben. Noch viele weitere Jahre werden Land gehen, bis die ersten blauen Schmetterlingsorchideen in den Handel kommen. Da es diese Blütenfarbe in der Natur gibt, ist es jedoch nur eine Frage der Zeit, bis die Züchter so weit sind.

Wenig Arbeit, großer Nutzen: Diese Zimmerpflanzen sind cool

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Die Kletterfeige (Ficus pumila) macht ihrem Namen Ehre.

Seit Jahren ist bekannt: In einer grünen Umgebung zu arbeiten, ist gesund. Zimmerpflanzen beruhigen die Augen (insbesondere bei Computer-Arbeit wertvoll) und verbessern das Raumklima. Jetzt scheint der permanente Informationsfluss erste Früchte zu tragen: Der Zentralverband Gartenbau gab im Januar bekannt, dass es beim Verkauf von Zimmerpflanzen im vergangenen mit knapp vier Prozent (0,4 Mrd. Euro) erstmalig seit Jahren wieder einen Zuwachs gegeben hat. Es spricht sich herum, dass die richtigen Zimmerpflanzen am geeigneten Standort in einem wasserspeichernden Gefäß tatsächlich fast von allein wachsen. Und dass Zimmerpflanzen cool sind.
Kein Händchen für lebendes Grün? Anfängern raten Zimmergrün-Experten zu Bogenhanf (botanischer Name Sanseveria) als ideale Zimmerpflanze. Die schmalen, ledrigen Blätter vertragen sowohl sonnige als auch eher dunkle Standorte. Gute Erfahrungen lassen sich zudem mit Palmen machen. Als anspruchslose Einstiegspflanzen gilt die Kentia-Palme (Howea) für helle Standorte und die Steckenpalme (Rhapis excelsa) für dunklere. Weitere Lichtkünstler sind Schusterpalmen (Aspidistra) und Philodendren (Philodendron), auch Baumfreund genannt .
Meine Lieblingszimmerpflanze ist die zarte Kletterfeige (Ficus pumila). Sie rankt bei guter Pflege sogar die Wände hoch und macht aus dem Büro einen Dschungel. Erstaunt war ich kürzlich am Comer See, als ich meine Zimmerpflanze hübsch gestutzt an der Außenmauer der Villa Mondolfo wachsen sah. An zweiter Stelle steht bei mir das Einblatt (Spathyphillum), das vor dem Wohnzimmerfenster unermüdlich blüht und nach sechs Jahren und einer Umstellung auf hochwertigen Langzeitdünger sogar mit duftenden Blüten. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass das Einblatt bereits bei 350 Lux genügend Energie aus der Photosynthese zum Wachsen hat. Zum Vergleich: Eine Schreibtischlampe strahlt häufig im Bereich von 500 Lux. Auf Platz drei kommt die Glücksfeder (Zamioculcas). Diese pflegeleichte Pflanze aus Ostafrika gedeiht selbst in dunklen Ecken – wenn sie nicht zu viel gegossen wird. Auf der diesjährigen Pflanzenmesse in Essen wurde eine Neuzüchtung mit fast schwarzen Blättern vorgestellt, die sicherlich ihren Platz in dem einen oder anderen Wohnzimmer finden wird.

Chilis ziehen ins Schlafzimmer

Chilis im Schlafzimmer

Chilis im Schlafzimmer

Es wird kalt nachts im Rheinland. Dabei sind die Chilis an den zwei Pflanzen auf dem Balkon noch gar nicht alle reif. Zwei schöne Sträucher wachsen in einem Topf: Eine Habanero, mit höllisch scharfen, knubbeligen Früchten die harmlos-zerknautscht aussehen, und eine mit länglichen (im Vergleich mittelscharfen) Schoten. Noch sind ein Teil der Früchte grün. Doch was ist besser? Die reifen und unreifen Chilis abzuernten oder die Pflanzen ins Haus nehmen? Zum Glück gibt es eine rege Community von Pflanzenexperten bei andygreen. Die App für iOs und Android aus der Schweiz (natürlich gibt es das ganze auch als Internetseite) hat kürzlich den Red Dot Award für hervorragendes Design verliehen bekommen und ist seit 2010 auf dem Markt. Die Antwort der Community innerhalb kürzester Zeit: Die Chilipflanzen ins Haus nehmen und die Daumen drücken, dass es ihnen gut geht – denn Chilis sind mehrjährig. Also ist der Topf ins ungeheizte Schlafzimmer umgezogen und wird nun dort weiter abgeerntet.
Allerdings sind Habaneros echt mit Vorsicht zu genießen. Nur mit Handschuhen schneiden und die Hälfte von gaaanz wenig ins Essen tun – sonst bricht der Schweiß beim Essen aus und die Gäste flüchten. Die fruchtige Note dieser Chilisorte ist allerdings unglaublich lecker. Doch auch dafür findet sich im Internet eine Lösung: In dem Shop Ingana des Biologen Oliver Fox gibt es Samen einer neuen Habanero-Züchtung, die zwar noch das Aussehen  und das außergewöhnliche Aroma hat, aber bei weitem nicht so scharf sind. Statt Schärfe 10 auf einer Skala von 12 bringt es „NuMex Suave Orange“ nur auf eine zwei. Das Chili-Experiment wird also in jedem Fall nächste Jahr weiter geführt – egal ob die zwei in meinem Schlafzimmer den Winter nun überstehen oder nicht.

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Screenshot aus andygreen

Traumgärten entdecken in Zülpich

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Ein Gartentraum auf der Landesgartenschau Zülpich.

Wer mit dem Gedanken spielt, seinen Garten neu anzulegen, sollte die Landesgartenschau in Zülpich (Nordrhein-Westfalen) besuchen. Landschaftsgärtner haben dort 14 Themengärten an prominenter Stelle gestaltet – so viele wie bislang auf keiner Gartenschau. Gartenfreunde können sich Anregungen holen, wie sich Fachleute ein „Zimmer unter freiem Himmel“ gestalten würden. Wasser ist dabei durchgängiges Thema. Allerdings in ganz unterschiedlichen Interpretationen: Sei es durch einen besonderen Blick auf den See, durch erhöhtes Sitzen oder Sichtschneisen im Uferbewuchs, durch die Blütenfarbe Blau und durch Wasser im Garten selbst. Was schön ist, muss jeder selbst entscheiden. Die Bandbreite reicht von minimalistischer Gestaltung mit grauem Basalt über Kieselmosaik kombiniert mit bunten Murmeln. Es gibt künstlerisch gestaltete Gärten, seniorengerechte Hochbeete mit Kräutern und einen stilechten Bauerngarten samt Kopfweiden. Geöffnet ist die Landesgartenschau noch bis 12. Oktober 2014 (Tageskarte 15,50 Euro). Anschließend wird das meiste wieder zurückgebaut. Natürlich nicht das schöne neue Seebad im gefluteten Tagebaugelände mit Liegewiese, Strand und Seebühne. Daran werden sich die Zülpicher und ihre Gäste hoffentlich noch viele Jahre erfreuen.

Hochbeete erleichtern das Gärtnern für Senioren.

Hochbeete erleichtern das Gärtnern für Senioren.

14 Gestaltungsbeispiele zeigen die Vielfalt von moderen Hausgärten.

14 Beispiele zeigen die Vielfalt moderner Hausgärten.

Einer von Deutschlands besten Gartengestaltern lädt in sein privates Refugium

HanggartenBerg

Durch die naturnahe und nachhaltige Gestaltung hat der Privatgarten von Peter Berg Vorbildfunktion.

Seit mehr als 20 Jahren bearbeitet einer der besten Gartengestalter des Landes einen ehemaligen Weinberg in Sinzig-Westum (Rheinland-Pfalz). Nun öffnet Peter Berg, der 2011 den TASPO-Award in der Sparte Gartendesign gewann, sein privates Refugium für Gäste.  An zwei Sonntagen, 26. Mai und 23. Juni 2013, führen Peter Berg und sein Sohn Daniel im Rahmen der „Offenen Gartenpforte Bonn und Region“ jeweils ab 11 Uhr sowie ab 14 Uhr über das 1.200 Quadratmeter große Grundstück. Dabei erklären die Landschaftsgärtner das Terrassen-Konzept mit blühenden Stauden, Gräsern und Gehölzen im Wechsel mit Tomaten und Salat, die von Natursteinmauern in alter Handwerks-Kunst unterteilt sind. In außergewöhnlicher Atmosphäre können die Gäste eine traumhafte Aussicht und Erfrischungen genießen. Geöffnet ist der Garten des Gärtners an den beiden Tagen jeweils von 10 bis 19 Uhr.

Was: Führungen durch den Hanggarten von Peter Berg
Wann: Sonntag, 23. Mai, Sonntag 23. Juni, 11 und 14 Uhr
Wo: Wachtelweg 21, Sinzig-Westum
Auskunft: Telefon 026 42/90 29 70