Die Kolumne: Schlichtweg zu Tode gefüttert – oder Thekla, die Fliegenfalle

Mein erstes Haustier: Thekla, die Venusfliegenfalle.Das Spektakulärste, was das Pflanzenreich zu bieten hat, ist die Venusfliegenfalle. Ich bekam das fleischfressenden Wesen quasi als allererstes Haustier im Grundschulalter geschenkt. Endlich etwas, was ich füttern und pflegen konnte. Doch welche Enttäuschung. Ich reichte meiner Tekla (oh ja, ich geben meinen Pflanzen Namen) jede Menge Fliegen, doch sie klappte nicht ein einziges Mal die Blätter zusammen. Da hörte ich, dass der Mechanismus (der dem Umstülpen einer Kontaktlinse ähnelt) nur funktioniert, wenn die Härchen im Blatt durch Bewegung gereizt werden. Es führte dazu, dass ich einen Sommer lang ständig auf der Jagd nach Spinnen, Ameisen und Käfern war, die ich meiner Mitbewohner lebendig in die Blätter stopfte. Hätte mir ja auch mal jemand sagen können, dass die Blätter spätestens nach dem siebten Mal verdauen absterben. Ich habe das arme Gewächs schlichtweg zu Tode gefüttert.

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Spannendes auf der Fensterbank: Diese Pflanzen sind wirklich cool

Ganz schön gefährlich: Die Schlauchpflanze isst Fliegen (Fotos: Rainer Dröse)

Es muss nicht unbedingt ein Haustier sein: Es gibt auch einige coole Zimmerpflanzen, die sich gut auf der Fensterbank machen oder im Terrarium eine echte Attraktion sind. Hier sind  einige spannende Gewächse, für die sich auch Kinder begeistern können.

1. Fleischfressende Pflanzen

 

Venusfliegenfalle

Ein wenig gruselig aber auch sehr faszinierend: Die insektenvernichtende Schönheiten wachsen hierzulande auch auf der Fensterbank. Pech für die Fliegen, die sich anlocken lässt. Bei der Venus-Fliegenfalle klappen in Sekundenbruchteil die beiden Fangblätter zu, das Insekt sitzt in der Falle und wird verdaut. Nach etwa sieben Mal öffnen und schließen ist der Mechanismus erschöpft und die Pflanze muss neue Blätter bilden. Die imposante Schlauchpflanze lockt mit ihrer Fleisch-Maserung die Insekten an, die dann in die lange Blüte rutschen und verdaut werden.

2. Mimose

Biophytum

Streicheln erwünscht: Diese Pflanze kann ihre gefiederten Blätter bewegen. Mimosen und auch Pflanzen der Gattung Biophytum reagieren auf Berührung und klappen ihre Blätter ein. Mimosen lassen sich sehr leicht im Frühjahr aus Samen ziehen, sind relativ anspruchslos und lassen sich einfach auf der Fensterbank halten. Allerdings sollte Mimosen keine pralle Sonne bekommen und feucht aber nicht nass gehalten werden.

3. Lebenden Steine

Lebende Steine

Diese Sukkulente sieht nicht sehr lebendig aus: Bei den lebenden Steinen kann man das Gießen ruhig mal vergessen. Die zwei miteinander verwachsenen,  knubbeligen Blätter stehen gern am sonnigsten Platz im Haus, brauchen den Winter über kein Wasser und lieben es auch im Sommer trocken. Wenn sie so vernachlässigt werden, belohnen die Überlebenskünstler aus Südafrika ihre Besitzer mit einer weißen oder gelben Blüte.

4. Kanonierblume

Kanonierblume

Sie verteilen ihren Blütenstaub explosionsartig in der Gegend: Wenn die Kanonierblume „Pilea spruceana“ in der Sonne steht und Wasser auf die Blüten kommt raucht es. Es sieht dann ein wenig so aus, als schießt die Pflanze eine Kanone ab. Allerdings brauchen Kanonierblumen viel Luftfeuchtigkeit und hat deshalb im Zimmer meist nur eine kurze Lebensdauer.

5. Baby-Ananas

Baby-Ananas

Obst von der Fensterbank: Der oberen Rest der Ananas muss nicht in den Müll, er macht sich auch im Blumentopf sehr gut. Der Schopf (ohne Fruchtfleisch) sollte über Nacht trocknen und kann dann in Anzuchterde gepflanzt werde. Achtung: nicht zu tief setzen, sonst fault es. Dann muss die Ananas warm und feucht gehalten werden. Wer regelmäßig sprüht und mindestens zwei Jahre Geduld hat, wird sogar mit einer Blüte und anschließenden Früchten belohnt.

6. Avocado

Ein riesiger Kern platzt auf und wächst schnell zu einem Baum heran: Avocados lassen sich recht einfach auf der Fensterbank ziehen. Der Kern keimt, wenn er zur Hälfte in einem Wasserglas steckt. Sicherer ist es allerdings, ihn mit etwas feuchten Kokos-Substrat (gibt es im Baumarkt) in einer Plastiktüte an einen warmen Ort zu legen. Frühestens nach zwei Wochen springt der Kern auf. Wird er dann mit der spitzen Seite nach unten zur Hälfte in Kokos-Substrat gepflanzt und mit einer Tüte abgedeckt, zeigt sich bald ein grüner Keim. Das Bäumchen trägt dunkelgrüne Blätter und wächst schnell. Die ersten Früchte trägt die Avocado aber erst nach etwas zehn Jahren.

7. Rose von Jericho

Wasser erzeugt Leben: Die bereits in der Bibel erwähnten, israelischen Wüstenpflanze Rose von Jericho lässt sich eindrucksvoll wiederbeleben. Wird das vertrocknete Knäul in Wasser gelegt, saugt es sich voll, entfaltet sie sich innerhalb eines Tags und färbt sich von Braun in Dunkeloliv. Nach ein paar Tagen sollte die Pflanze  wieder austrocknen, damit sie nicht schimmelt. Dann rollt sich die Rose von Jericho wieder ein. Diese Auferstehung lässt sich unbegrenzt wiederholen.

8. Judenbart

Judenbart

Es gibt zahlreiche Pflanzen, die ihren Nachwuchs fix und fertig präsentieren. Ausläuferpflänzchen sind unter anderen von Erdbeeren und Grünlilien bekannt. Besonders hübsch ist der Judenbart „Saxifraga stolonifera“ mit nierenförmigen, gemusterte Blättern. An grazilen, hängenden Ausläufer hängen winzige Pflänzchen mit Wurzeln, die nur noch in einen Topf gesetzt werden müssen. Direkt an den Blättern sitzt der Nachwuchs beim Brutblatt, auch Mutter-Kind-Pflanze genannt. Die Babys fallen irgendwann ab. Landen sie auf der Erde, wachsen sie direkt an.