Die Kolumne: Gebratene Tauben schmecken gallebitter oder warum keiner den asiatischen Marienkäfer mag

Asiatischer Marienkäfer fotografiert von Hans Schächl. http://www.schaechl.de

Ist Ihnen aufgefallen, wie still es inzwischen in der Dämmerung ist? Mich reißt seit kurzer Zeit morgens ein einzelner, virtuoser Sänger aus dem Schlaf. Nach einem Anruf beim Naturschutzbund bin ich schlauer: Es wird wohl ein Hausrotschwanz sein, der in aller Herrgottsfrühe oben vergnügt auf dem Dach trällert. Die Männchen legen sich im Herbst aus Langeweile noch einmal richtig ins Zeug. Vielleicht freut sich der Rotschwanz auch nur unbändig. Nicht über den nahenden Winter, sondern über die vielen asiatischen Marienkäfer. Als Insektenfresser könnte der Vogel angesichts der gepunkteten Plage momentan im Paradies leben – ihm fliegen ja sozusagen die gebratenen Tauben in den Schnabel. In Massen versammeln sich die Blattlausfresser an sonnenbeschienenen Häuserwänden und suchen nach einer Überwinterungsmöglichkeit in Fensterritzen und unter Dachvorsprüngen. Reich gedeckter Tisch also. Doch leider verspeist kein Vogel freiwillig zweimal einen Marienkäfer. Denn sein gelber Blutersatz, die so genannte Hämolymphe, schmeckt bitter und ist giftig. Da es keine Feinde gibt, konnte sich Harmonia axyridis massenhaft erst in den USA und jetzt in Europa ausbreiten. Wie so oft ist die Natur wieder einmal viel komplizierter als gedacht.

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